Ein Museum in der Kalkbergstadt? – Die wechselvolle Geschichte des Museumsstandortes Bad Segeberg

Die Fehlstelle eines kulturhistorischen Kreis- oder Stadt-Museums mit einem Themenschwerpunkt zur Segeberger Kreis- und Stadtgeschichte bzw. zur Kulturgeschichte des Kreises ist im Kreis Segeberg lange unerkannt geblieben! Tatsächlich ist der Kreis Segeberg der einzige Kreis Schleswig-Holsteins ohne ein zentrales (kultur-)historisches (Kreis-)Museum mit didaktisch aufbereiteten Inhalten zur hochrelevanten Regionalgeschichte, mit Bezügen und Verknüpfungen zur Landes- oder gar National- bzw. internationalen Geschichte. Selbstredend stellt auch keines der kleineren Museumseinrichtungen im Kreis Segeberg die jahrhundertelange und äußerst ereignisreiche Geschichte der Region (bzw. der Vogtei oder des Kreises) dar. So ist auch die Entstehung des Kreises aus der mittelalterlichen Burgvogtei, ihre immense Bedeutung für die Herzogtümer und zuletzt für das dänische Königshaus wie auch sein Geschick in der preußischen Provinz in einer angemessenen Museumseinrichtung des Kreises nirgendwo vermittelt.

Daraus resultieren zahlreiche Fragen …

Das Alt-Segeberger Bürgerhaus

Erste Ansätze zu einem Museum in Bad Segeberg reichen weiter in die Vergangenheit zurück als gemeinhin bekannt. Die Idee eines (kulturhistorischen) Museums in Bad Segeberg ist tatsächlich nicht neu: Erste Überlegungen dazu entstanden in der Kalkbergstadt – durchaus zeittypisch! – bereits während des Nationalsozialismus. Im Jahre 1934 war die Einrichtung eines Museums im Gebäude der ehemaligen Mädchenschule an der Marienkirche vorgesehen, später im Schulhaus Oldesloer Straße 27 (heute Modellbauladen „Victor Böhm“), und zur „800-Jahr-Feier“ der Stadt (1937) wurde erstmals eine „vorgeschichtliche Sammlung“ aufgebaut, die während des Zweiten Weltkrieges jedoch größtenteils wieder aufgelöst wurde und somit verloren ging. Auch die Eingabe des unermüdlichen Stadtchronisten Jürgen Hagel an die Stadtverwaltung zur Einrichtung eines Museumsrates im Jahre 1950 verebbte ebenso ergebnislos wie die Anregung des Direktors des Mineralogisch-Petrographischen Instituts der Universität Kiel, Prof. Dr. Johannes Leonhardt, in 1953 am ehemals vorgesehenen Segeberger Standort für ein Salzbergwerk ein Salzmuseum mit überregionaler Ausrichtung und der „Darstellung zur Entstehung, Geologie, industrieller Verarbeitung und wirtschaftlichen Nutzung der Salzgesteine“ einzurichten. Bereits in dasselbe Jahr (1953) datiert der Beschluss des vom Bad Segeberger Gemeinderat einberufenen Museums-Ausschusses, Rücklagen für den Ankauf des Hauses Lübecker Straße 15 zu schaffen. Da das Bürgerhaus schon zu diesem frühen Zeitpunkt (1953!) für Museums-Ausstellungen als zu klein erachtet wurde, war lediglich eine Herrichtung des Alt-Segeberger Bürgerhauses als eine Art stadthistorisches Zeitdokument seiner selbst – sozusagen als Freilichtmuseum (wie beispielsweise das „Ostenfelder Bauernhaus“ in Husum) – vorgesehen. Für die weiterhin beabsichtigten Museums-Ausstellungen war hingegen schon damals ein Anbau geplant! 

Erst nach der abermaligen Gründung eines Museumsausschusses in der Stadtvertretung im Jahre 1956 kam es zuletzt 1959 zum Ankauf des Hauses Lübecker Straße 15, das nach erheblichen Sanierungsmaßnahmen und gravierenden Umbauten im Inneren in den Jahren 1963 bis 1964 als Heimatmuseum im November 1964 eröffnet wurde. Dieses Heimatmuseum entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten dann jedoch nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – zur Keimzelle eines größeren Museums weiter. Vielmehr verharrte es mit seiner konzeptionslos zusammengetragenen Sammlung (bestehend vorwiegend aus von der Segeberger Bevölkerung überlassenen Relikten) über nahezu fünf Jahrzehnte lang als vermeintliches „Zeugnis kleinbürgerlichen Lebens vor etwa 100 Jahren“ – so die Broschüre „Wohnen im Wandel der Zeit“ von 1984. Längst galt das Segeberger Fachwerkhaus des 16./17. Jahrhunderts bereits zu diesem Zeitpunkt als Sinnbild eines staubigen Museums mit einer unzeitgemäßen und hoffnungslos überholten Präsentation, mit geringen Besucherzahlen, ohne jegliches Begleit-Programm und ohne „Strahlkraft“ für die Kreisstadt, lediglich betreut von einer (geringverdienenden) Person ohne fachliche Qualifizierung. Im Jahre 2011 stand das Heimatmuseum daher zuletzt vor seiner Schließung

 „Lebendiges Museum“ in der historischen Bad Segeberger Altstadt

Eine erste Anregung zur Weiterentwicklung des Museumsstandortes Bad Segeberg wie zur Nutzung des Bürgerhauses machte dann erst wieder der Baugutachter Dr. Holger Reimers in dem von der Stadt beauftragten Schadensgutachten des Alt-Segeberger Bürgerhauses von 2011. Am Ende seiner ernüchternden Bestandsanalyse über den baulichen Zustand des Bürgerhauses regte der Bauhistoriker – neben zahlreichen notwendigen Sanierungsmaßnahmen – erstmals den weiteren Ausbau des Museumsstandortes Bad Segeberg an: „… Die Attraktivität von Museen ist von vielen Faktoren abhängig: von einer interessanten Sammlung, von guten Vermittlungsformen, von bemerkenswerten Sonderausstellungen, von reizvollen gastronomischen Angeboten, von einem hohen Freizeitwert. Um all dies in einem stadtgeschichtlichen Museum Bad Segeberg realisieren zu können, reicht der Platz in dem Handwerkerhaus des 16. Jahrhunderts nicht aus …“. 

Reimers unterbreitete bereits in seinem Gutachten von 2011 zahlreiche konkrete Vorschläge zu einzelnen Bereichen und Gebäuden und wies erstmals auch auf die Chance einer Museumserweiterung im historischen Höhlenkrug-Gebäude in der direkten Nachbarschaft hin: 

„… Eingangsbereich

Die Freifläche auf der Ostseite bietet sich zunächst an, sie in das Museum als gestalteter Garten in das aktuelle Nutzungskonzept einzubeziehen. Da hier bis vor wenigen Jahren aber ein Nachbarhaus stand, erscheint es wesentlich plausibler, die geschlossene Straßenflucht mit einem Neubau zu schließen, der wesentliche Funktionen des Museums wie Kassenbereich, WC-Anlagen, Museumsshop, Personal- und Sonderausstellungsräume aufnehmen könnte.“ 

„… Gastronomie

Um ein attraktives gastronomisches Angebot zu erhalten, bietet sich eine Kooperation mit dem benachbarten Höhlenkrug an, der sich östlich anschließt. Hier besteht die raumgestalterische und architektonische Aufgabe darin, den Betrieb der Bäckerei und des Museumscafés so zu vernetzen, dass Museumsbesucher jeden Aufenthalt in dem Museumscafé mit einer positiven Assoziation mit dem Museum Bad Segeberg verbinden. […]“ 

„… Ausstellungen / Sonderausstellungen

Um eine stadtgeschichtliche Ausstellung in ihrer Vielfalt präsentieren zu können, sind die Räume im bisherigen Heimatmuseum nicht ausreichend. In Erwägung gezogen werden sollte deshalb nicht nur die Schaffung eines Sonderausstellungsraumes im Eingangsbereich auf dem östlich benachbarten Grundstück, sondern auch eine sinnvolle Erweiterung der Museumsräumlichkeiten. Diese bietet sich mit der Einbeziehung des bedeutenden barocken Gebäudes der Kirchspielvogtei aus dem späten 18. Jahrhundert an, die zurzeit zum Höhlenkrug gehört. Die Sanierung des Gebäudes mit Fördermitteln voranzutreiben und zugleich neben dem Handwerkerhaus des 16. Jahrhunderts auch ein großbürgerliches Bauwerk des 18. Jahrhunderts von stadtgeschichtlicher Bedeutung in das Museum einzubeziehen, erscheint im Moment vielleicht als hochgesetztes Ziel. Für das Museum Bad Segeberg wäre es eine sehr angemessene Erweiterung zur Vermittlung bürgerlichen und großbürgerlichen Wohnens sowie zur Stadtgeschichte allgemein. […] Das Heimatmuseum und seine fachgerechte Instandsetzung waren der Ausgangspunkt dieser Untersuchung. Dieses Renaissance-Bürgerhaus im Kern von Bad Segeberg ist es wert, die Keimzelle eines stadtgeschichtlichen Museums Bad Segeberg zu werden.“ 

Als konkrete Anregung brachte Reimers zuletzt die Idee eines Deutschen Gipsmuseums als Alleinstellungsmerkmal eines künftigen Segeberger Museums ins Spiel, denn Gipsgestein des Segeberger Kalkberges hatte über Jahrhunderte für alle bedeutsamen Bauten Holsteins, Lübecks und Hamburgs eine immense Bedeutung und böte sich somit als hervorragender Anknüpfungspunkt an die Regionalgeschichte des Umlandes und etlicher weiterer Aspekte an. 

Alle Anregungen zum Ausbau des Segeberger Museumsstandortes, ebenso wie der Sanierungsbedarf des Bürgerhauses, blieben jedoch weiterhin unberücksichtigt. Erneut wurde deutlich: Den Ansprüchen eines präsentablen Stadtmuseums der Kreisstadt Bad Segeberg werden die beengten und in vielfacher Hinsicht unzulänglichen Räume des Alt-Segeberger Bürgerhauses in keiner Weise gerecht. Für die Belange eines nach wie vor im Kreis Segeberg fehlenden Kreis- und Stadtmuseums gilt diese Feststellung umso mehr. 

Ein 2018 durchgeführtes Zertifizierungsverfahren des Alt-Segeberger Bürgerhauses bei der „Museumsberatung und -zertifizierung Schleswig-Holstein“ endete dann folgerichtig ohne Verleihung des Zertifikats, jedoch mit einer mehrseitigen Monier-Liste, in der u. a. erneut auf die seit Langem bekannten Unzulänglichkeiten verwiesen wurde: 

  • „… Die Fläche der Dauerausstellung ist für die Darstellung der Geschichte der Stadt Bad Segeberg nicht ausreichend. Wichtige Themen der Stadtgeschichte – wie etwa die mittelalterliche Burg und das Wirken Heinrich Rantzaus – können nicht ihrer Bedeutung für die schleswig-holsteinische Landesgeschichte entsprechend dargestellt werden. Es wird dringend empfohlen, Konzepte für eine Erweiterung der Dauerausstellung im Rahmen eines zu gründenden Kreismuseums zu verfolgen. Die örtliche Bebauung erlaubt eine Erweiterung des Museums durch einen Neubau auf der anschließenden Freifläche oder die Einbeziehung eines Nachbargebäudes. Es sollte geprüft werden, ob der aus dem Jahr 1788 stammende Höhlenkrug, der als ehemaliges Landratsamt [gemeint: Kirchspielvogtei] für eine Nutzung als Museum prädestiniert wäre, saniert und umgenutzt werden kann.“
  • „… Aufgrund der räumlichen Enge ist es derzeit lediglich möglich, Vermittlungsangebote für Gruppen bis zu einer Stärke von 12 Personen anzubieten. Somit sind Projekte für Schulklassen generell ausgeschlossen. Für die Zertifizierung des Alt-Segeberger Bürgerhauses muss jedoch gewährleistet sein, dass Vermittlungsangebote für alle Alters- und Zielgruppen vorliegen – insbesondere auch für Schulen. Dies spricht wieder für eine Erweiterung des Stadtmuseums zu einem Kreismuseum.“

Aufgrund dieses abermals dokumentierten Museumsdefizits in Kreis und Stadt Segeberg gründeten Bürgervorsteherin Monika Saggau, Prof. Asmus Hintz und Museumsleiter Nils Hinrichsen Ende 2018 die „Initiative Zukunft“, die sich dem Engagement für ein kreisrelevantes kulturhistorisches Museum widmete. 

Nach öffentlichkeitswirksamen Auftaktveranstaltungen (einem historischen Umzug, einer Podiumsdiskussion im Rathaus und div. Presseinformationen) gründeten interessierte Segeberger Anfang 2019 dann den „Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg“, der sich fortan mit großem Einsatz und der Unterstützung einer wachsenden Mitgliederzahl für die Einrichtung eines entsprechenden Museums in der Bad Segeberger Innenstadt einsetzt und zunächst die Anregungen zur Nutzung des einstigen Kirchspielvogteigebäudes in der ehemaligen, inzwischen leerstehenden „Höhlenkrug“-Bäckerei dafür aufgriff. 

Nach dem Abbau der fragwürdigen und jahrzehntealten Präsentation „Zeugnis kleinbürgerlichen Lebens vor etwa 100 Jahren“ konnte der erste hauptamtliche Leiter des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus, Nils Hinrichsen, seit 2012 auf den begrenzten Flächen sukzessive zwei vollkommen neue Dauerausstellungen (zur Stadtgeschichte Segebergs und zur Hausgeschichte des Bürgerhauses) in die Räume des einstigen „Heimatmuseums“ einbauen und somit zeitweilig erste Ansätze einer konzeptionellen Museumsarbeit verwirklichen. Mit der Entlassung des Museumsleiters Nils Hinrichsen 2019/2020 durch den Museumsträger (der VHS) endete dieser Ansatz zur Begründung einer fundierten, professionalisierten und nachhaltigen Museumstradition ein weiteres Mal so abrupt wie perspektivlos. 

Im Vergleich mit den anderen Kreisen Schleswig-Holsteins bleibt weiterhin festzuhalten, dass der Kreis Segeberg auf eine kulturhistorische Museumseinrichtung mit Themenbezug zur Kreisgeschichte bislang verzichtet. Die Defizite des einzigen Segeberger Museums mit kulturhistorischer Ausrichtung, des Alt-Segeberger Bürgerhauses, sind dagegen offenkundig und eröffnen kaum die Möglichkeit einer angemessenen Darstellung der umfangreichen Kreis- und Stadtgeschichte. So war der kleine Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert auch nach seiner Herrichtung zum „Heimatmuseum“ in den Jahren 1963/64 nur mit erheblichen Zugeständnissen an einen regulären Museumsbetrieb nutzbar und erfüllt eher die Kriterien eines einzelnen Freilicht-Museumsgebäudes:

 

– Sämtliche Ausstellungsräume sind nicht beheizbar und die Außenwände ohne jegliche Isolierung ausgeführt; daher muss der Museumsbetrieb über die Winterzeit (5 Monate!) jeweils ersatzlos eingestellt werden. Die völlig unbeherrschbaren klimatischen und lichttechnischen Verhältnisse verhindern darüber hinaus eine Präsentation sensibler Objekte, selbst während der Sommermonate; Leihgaben mit höherem Versicherungswert (etwa für Sonderausstellungen) würde das Museum somit niemals ausstellen können. 

– Die beiden hinteren Räume können für eine stadtgeschichtliche Jahrhunderte überspannende Dauerausstellung keine langfristige Lösung sein und sind bereits für kleinere Gruppen (etwa bei Führungen) zu klein; Schulklassen sind in ihrer üblichen Größe hierin normalerweise gar nicht mehr unterzubringen; Raum für eine museumsdidaktische Rezeption, d. h. für schülergerechte Nacharbeiten, ist nicht vorhanden. Damit gibt es in der Kreisstadt Bad Segeberg für derartige Rezipienten (größere Erwachsenengruppen, Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen) nach wie vor kein Museumsangebot – nicht nur im Hinblick auf die außerschulische Vermittlung der NS-Geschichte des Kreises und der Stadt ein Missstand mit gravierenden Folgen! 

– Nach der Installation zweier Dauerausstellungen („500 Jahre bürgerliche Wohnkultur“ und „800 Jahre Stadtgeschichte Segeberg“) in den beengten Kammern des Alt-Segeberger Bürgerhauses durch den ersten hauptamtlichen Museumsleiter Nils Hinrichsen (2012 – 2020) gab es zudem keine eigenständigen Flächen mehr für Sonderausstellungen – mit maßgeblichen Auswirkungen auf die Besucherfrequenz: (kulturhistorischen) Museen ohne wechselnde Sonderausstellungen fehlt der Anreiz für wiederholte Museumsbesuche! 

– Im Alt-Segeberger Bürgerhaus fehlt jede übliche Infrastruktur: Weder gibt es eine Garderobe noch nach Geschlechtern getrennte, barrierefrei erreichbare WCs; ebenso ist für einen Aufenthaltsraum oder ein Café mit einem kleinen Erfrischungsangebot und für einen Museumsshop mit Merchandising-Artikeln kein Platz. Auch auf Ruhezonen für Besucher oder Museumshocker zum Mitwandern durch die Ausstellungen muss aufgrund Platzmangels verzichtet werden. 

– Für die fachgerechte Anlage einer Sammlung fehlt im Alt-Segeberger Bürgerhaus jegliche Depotfläche; der dafür provisorisch genutzte Dachboden erfüllt dazu einerseits keinerlei (klimatische, statische und sonstige) Voraussetzungen und darf andererseits aus feuertechnischen Gründen zu diesem Zweck nicht eingesetzt werden. Eine wesentliche Grundsäule konventioneller Museumsarbeit – die Anlage und Pflege einer Sammlung – ist somit gänzlich ausgeschlossen. 

– Darüber hinaus leidet das Alt-Segeberger Bürgerhaus in seinem aktuellen baulichen Zustand nach wie vor unter einem erheblichen Sanierungsstau: Das Schadensgutachten des Bauhistorikers Dr. Holger Reimers – von der Stadt erstmals bereits 2011 beauftragt – weist Bauschäden in erheblichem Umfang nach! Betroffen sind u. a. sämtliche Räume und Wände und nahezu alle Gefache, etliche Fachwerkhölzer und Fußböden sowie Bedachungen durch Feuchtigkeit, Schädlingsbefall, Vermorschung usw. – In welchem Ausmaß die Schäden seit der Erstellung des Gutachtens noch zugenommen haben, lässt sich nicht zuletzt auch an den Gipsmarken, die sämtlich gerissen sind, und an durch Verkehrserschütterungen (Kopfsteinpflaster / Bushaltestelle vor dem Museum) gelösten Holznägeln der Fachwerkfassade erkennen! Im Inneren des Gebäudes stammt die Elektrik (Leitungen, Stecker, Lampen, Sicherungen) noch aus den 1960er Jahren. Vor der Installation der Dauerausstellungen ab 2013 wurden in einigen Innenräumen notdürftige Reparaturen durch den städtischen Bauhof durchgeführt. Die Vorläufigkeit dieser „kosmetischen“ Reparaturen war bereits im nachfolgenden Jahr an den abermals bröselnden Putzverstrichen durch aufsteigende Feuchtigkeit in den Innenwänden und der weiterhin fortschreitenden Vermorschung der Bauhölzer sowie vieler weiterer Baumängel erkennbar. Der bemängelte Bauzustand des Alt-Segeberger Bürgerhauses ist somit seit Langem bekannt und macht nur ein weiteres Mal deutlich, wie ungeeignet der Fachwerkbau für einen umfassenden Museumsbetrieb ist. Ein im Auftrag der Stadt bestelltes Nachgutachten des Bauhistorikers Dr. Holger Reimers aus dem Frühjahr 2021 belegt eindrucksvoll, in welchem Umfang die Bauschäden weiter zugenommen haben und die Sanierungskosten folglich gewachsen sind. 

Angesichts einer annähernd 90-jährigen Museumsgeschichte Segebergs wird deutlich, dass alle bisherigen Anstrengungen, zu einem nachhaltigen Museumsstandort und einem Museumsangebot unter Berücksichtigung zeitgemäßer Kriterien zu gelangen, immer wieder „versandet“ sind. 

Die Museumsgeschichte der Kreisstadt Segeberg – eine Geschichte von Abbrüchen! 

Während erste Ansätze durch den II. Weltkrieg verhindert wurden, verebbten ernsthafte Bemühungen der 1950er Jahre mit der Einrichtung des Heimatmuseums im Alt-Segeberger Bürgerhaus nach 1964 wieder, ohne dass zunächst bestandene Absichten zur Weiterentwicklung eines Segeberger Museumsstandortes weiterverfolgt wurden. Erst nach Jahrzehnten der Stagnation und knapp vor einer endgültigen Schließung erfuhr das Heimatmuseum im Alt-Segeberger Bürgerhaus mit der erstmals erfolgten Installation fundierter Ausstellungen durch den ersten hauptamtlichen Museumsleiter Nils Hinrichsen wieder eine öffentliche Wahrnehmung. Nach dem Aufbau seiner konzipierten Museumspräsentation fiel auch diese Aufstellung wieder in einen Zustand konzeptionsloser Beliebigkeit zurück, nachdem eine zweite Museumsleitung nach kurzer Zeit auf eigenen Wunsch die Bad Segeberger VHS verlassen hat. Seitdem gibt es eine ehrenamtliche Führung des Museums; die konzeptionell geschlossenen Dauerausstellungen wurden willkürlich auseinandergerissen und die Präsentation mit Sonderausstellungen einfachster Machart durchgesetzt, ohne die zuvor beschriebenen Missstände zu beheben. Insbesondere eine Weiterentwicklung des Museumsstandortes Bad Segeberg wurde durch die zuletzt eingesetzte Stagnation im Alt-Segeberger Bürgerhaus ein weiteres Mal ausgebremst. Die heutigen Kriterien attraktiver Dauer- und Sonderausstellungen lassen sich jedoch ohnehin nur in einem nachhaltig verankerten und professionalisierten Museumsbetrieb und in entsprechend geeigneten Museumsgebäuden umsetzen – Standards, wie sie in den benachbarten Kreisen mit ihren Kreis- und sonstigen kulturhistorischen Museen längst Normalität sind. 

Die Notwendigkeit eines Kreis- & Stadtmuseums in Bad Segeberg

Die Ansprüche an eine kulturhistorische Vermittlungsarbeit haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten inzwischen zu einer breiten Palette medialer, pädagogischer und institutioneller Ebenen weiterentwickelt. Der Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg hat daher sein ursprüngliches Konzept eines reinen (kulturhistorischen) Museums erheblich erweitert und seine Forderungen nach einem kulturhistorischen Kreis- und Stadtmuseum auf die zeitgemäßen Bedürfnisse eines Kulturellen Zentrums angepasst. Das Kulturangebot eines künftigen Kulturellen Zentrums füllt dabei eine noch größere Lücke in der Kreisstadt und nutzt dabei Synergie-Effekte auf nachhaltige Weise. Diese Forderung wurde inzwischen auch von der Politik anerkannt und mit der Bereitstellung finanzieller Mittel in Höhe von 55.000,- EUR eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht. 

Mit der Einrichtung eines Kulturellen Zentrums wird sich eine über Jahrzehnte andauernde Lücke in der kultur-(historischen) Vermittlung des Kreises Segeberg mit einem zeitgemäßen Angebot für Einheimische wie für Gäste der Stadt schließen. Ebenso wird der Kreis Segeberg damit den signifikanten Rückstand eines kulturhistorischen Angebots im Vergleich mit seinen Nachbarkreisen aufholen.

Für den erforderlichen Raumbedarf eines Kulturellen Zentrums – bevorzugt in einem Bau mit historischer Relevanz – empfiehlt sich in der Kreisstadt Bad Segeberg inzwischen das Gebäude des Hauses Segeberg (heute noch Sitz des Landrats), das mit dem Umzug des Landratssitzes in die neu entstehende Kreisverwaltung auf der gegenüberliegenden Straßenseite zur Verfügung stehen wird. 

Nils Hinrichsen

Wie geht´s weiter mit dem „Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus“?

Verwendete Literatur/Quellen:

  • Sven Bracke, Benjamin Mortzfeld: MUSEUMSFÜHRER SCHLESWIG-HOLSTEIN, hrsg. vom Museumsverband Schleswig-Holstein, Neumünster 2010.
  • Jürgen Hagel: Aus der Anfangszeit des Heimatvereins Segeberg, in Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg (33. Bd.) Bad Segeberg 1997.
  • Thomas P. Kersten, Simon Deggim, Felix Tschirschwitz, Maren Lindstaedt, Nils Hinrichsen: Das Alt-Segeberger Bürgerhaus – Ein Museum und seine Baugeschichte in der virtuellen Realität, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein, Jg. 25 (2018), S. 123 – 130.
  • Holger Reimers: Heimatmuseum – Baugeschichte und Denkmalpflege. Bestandserfassung – Schadensermittlung – Maßnahmenkonzepte, Hohenfelde 2011.
  • Holger Reimers, Nils Hinrichsen: Das Alt-Segeberger Bürgerhaus. Vom Stadtwohnhaus des 16. Jahrhunderts zum Stadtmuseum im 21. Jahrhundert, in: Lutherstadt Wittenberg, Torgau und der Hausbau im 16. Jahrhundert (Jb f. Hausforschung, Bd. 62), Marburg 2015, S. 341-355.
  • Holger Reimers: Bestandserfassung – Schadensermittlung – Maßnahmekonzepte, Aktualisierung des Maßnahmenkonzeptes und der Kostenschätzung von 2011, April 2021.
  • Museen, Gedenkstätten und Sammlungen im Kreis Segeberg mit Neumünster, hrsg. von der Museumsberatung und -zertifizierung Schleswig-Holstein, Bad Segeberg 2019
  • Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein: Alt-Segeberger Bürgerhaus. Voraussetzungen zum Erlangen des Zertifikats, Rendsburg 2018.

Mitgliederversammlung des Fördervereins Kreis- & Stadtmuseum Segeberg e. V. am 22.09.2021

Jahresbericht – Neuwahlen – Aktivitäten

Mit einer coronabedingten Verschiebung vom Frühjahr in den Herbst konnte am Mittwoch, 22.09.2021, die anstehende Jahreshauptversammlung des Fördervereins Kreis- u. Stadtmuseum Segeberg e. V. stattfinden. Um 19 Uhr trafen sich im Gemeindezentrum der Segeberger Marienkirche 20 der aktuell 79 Vereinsmitglieder zu einer „realen“ Sitzung mit zahlreichen Tagesordnungspunkten, um anschließend festzustellen: Mit altbewährten und frischen Kräften geht die erfolgreiche Arbeit des Vereins kontinuierlich weiter! 

Nach den üblichen Formalien berichtete der Stellvertretende Vorsitzende Norbert Schmitt in dem Jahresbericht über die vielfältigen intensiven Aktivitäten des Vorstandes im zurückliegenden Jahr 2020, die trotz des Lockdowns äußerst erfolgreich realisiert werden konnten. Er betonte dabei den kreativen Umgang des Fördervereins mit den Lockdown-Restriktionen. So wurden die Vorträge der hochkarätigen Referent*innen (Landtagspräsident Klaus Schlie, Dagmar Linden/ehem. Rösner, Wilhelm von Boddien, Hans-Caspar Graf zu Rantzau, Dr. Frauke Dettmer und Prof. Dr. Dr. Claus von Carnap-Bornheim) durchgehend aufgezeichnet, abrufbar auf der Webseite des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg e. V. Abschließend bedankte Norbert Schmitt sich für die Möglichkeit einer sehr intensiven und ereignisreichen Mitarbeit und kündigte sein Ausscheiden aus dem Vorstand aufgrund persönlicher Lebensumstände an. Der Erste Vorsitzende, Prof. Asmus Hintz, dankte dem Gründungsmitglied für die wertvolle Mitarbeit und hob die außerordentlich angenehme und produktive Zusammenarbeit hervor, mit der er sich als aktives Mitglied auch künftig als Kontaktperson zu den Segeberger Schulen in die Arbeit des Vereins einbringen wolle. 

Anschließend führte Prof. Hintz den Bericht des Vorstandes fort und zeichnete ausführlich den Weg zur Erlangung der politischen Zustimmung für die Ausschreibung einer Machbarkeitsstudie nach. Er stellte das neue Konzept des Fördervereins für ein Kulturelles Zentrum für Kultur, Tourismus und Bildung (KuBiTo) im “Amtmannhaus“ (heute: Landratssitz) vor und erläuterte, warum sich der Förderverein von dem ursprünglichen Objekt des “Palais Wichmann“ habe trennen müssen, nachdem die Eigentümer sich überraschend unkooperativ verhalten haben. So gab es nach seinen Ausführungen die einzigartige Chance für ein kostenfreies Baugutachten des Professors Wolfgang Linden von der Technischen Hochschule Lübeck; eine dafür notwendige Begehung des Objektes wurde jedoch seitens der Eigentümer verweigert. In der Folge musste der Förderverein sich auf seinen ursprünglichen Plan besinnen, das “Amtmannhaus“ in der Hamburger Straße für das geplante Kulturelle Zentrum in den Blick zu nehmen, was sich im Nachhinein als segensreich herausstellte: Die Politik des Kreises zeigte sich dieser Idee zunehmend aufgeschlossen, und so entwickelte sich seit Anfang 2021 eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der Grünen, der SPD und der CDU, die letztendlich zu einem von allen Beteiligten in den Grundsätzen akzeptierten Konzept geführt hat (s. “Konzept“ auf der Webseite des Fördervereins). Als erfolgreiches Ergebnis konnte Prof. Hintz darlegen, dass die Machbarkeitsstudie mit inzwischen 55.000 EUR voll finanziert ist, vom Förderverein durchgeführt wird und in Kürze in Auftrag gegeben werden kann. So darf davon ausgegangen werden, dass im Frühjahr 2022 die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie der Politik zur Entscheidung vorgelegt werden können. Von der großartigen Leistung des Vorstandes, das Konzept auf eine breitere und von vielen akzeptierte Basis zu stellen, insbesondere die Geschwindigkeit der Realisierung einer Finanzierung, zeigten sich die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung sehr beeindruckt. 

In einem nachfolgenden Bericht belegte der Schatzmeister Jochen Saggau anhand eingehender Graphiken und Tabellen die positive finanzielle Situation des Vereins, die auch auf zahlreiche Spenden zurückzuführen ist, und hob hervor, dass der Verein dadurch auch in die Lage versetzt war, in Zusammenarbeit mit der HafenCity Universität Hamburg (HCU) das Virtual Reality-Modell „Segeberg 1644“ von Nils Hinrichsen zu einem Abschluss weiterzuentwickeln. Auch die Herausgabe des von Nils Hinrichsen verfassten Buches „Segeberg 1644 – Schicksalsjahr einer Stadt“ (in den Segeberger Buchhandlungen zum Preis von 22,00 EUR erhältlich) war somit finanziell zu stemmen. Jochen Saggau führte anschließend aus, dass auch er sein Amt als Schatzmeister zur Verfügung stellen wolle, weil die zu erwartenden größeren Finanztransaktionen zur „Machbarkeitsstudie“ einer weitergreifenden fachlichen Expertise bedürfen. Professor Hintz bedauerte diesen Schritt und attestierte ihm, ein vorbildlicher und sachkundiger Schatzmeister gewesen zu sein. Jochen Saggau will im neu geschaffenen Beirat weiterhin aktiv mitarbeiten, u. a. hinsichtlich der technischen Ausrüstung des Vereins und der Bearbeitung der Website. 

Mit herzlichem Dank für die geleistete Aufbauarbeit, einem Präsent aus Händen des 1. Vorsitzenden und großem Applaus der Versammelten wurden Norbert Schmitt und Jochen Saggau verabschiedet. 

Die notwendigen Neubesetzungen der beiden Ämter erfolgten im Anschluss durch Vorstandswahlen: Für das Amt des Schatzmeisters wurde das Vereinsmitglied Gerd Jeguschke, der seine Bereitschaft zur Kandidatur vorab schriftlich bekundet hatte, einstimmig gewählt. Gerd Jeguschke darf für seine Aufgabe im Verein als Glücksfall gelten, denn er war 32 Jahre lang am Berufsbildungszentrum Bad Segeberg als Lehrer im kaufmännischen Bereich, als Abteilungsleiter und in den letzten neun Jahren als stellvertretender Schulleiter/Geschäftsführer bis zu seinem jüngst erfolgten Ruhestand tätig.

Für den Posten des Zweiten Vorsitzenden im Förderverein hatte der Diplom-Jurist und derzeitige Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Kriminalwissenschaften der CAU Kiel, Magnus Wittern (auch bekannt als Vorsitzender des Segeberger SPD-Ortsvereins), vorab seine Bereitschaft erklärt. Professor Hintz äußerte sich sehr erfreut über diese Entwicklung und betonte, dass mit Magnus Wittern ja bereits eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit auch im Verein bestehe und in Zukunft sein juristischer Sachverstand sehr dienlich sein werde. Die Verjüngung des Durchschnittsalters im Vorstand wurde von allen schmunzelnd zur Kenntnis genommen.

Abschließend stellte Nils Hinrichsen das von ihm entwickelte und mit Mitteln des Fördervereins geförderte VR-Stadtmodell „Segeberg 1644“ vor und berichtete, dass alle Vorführ-Termine, die seit Juni 2021 in den Räumen der Kirchengemeinde St. Marien stattfinden, bereits nach sehr kurzer Zeit restlos ausgebucht waren. Das erwartete immense Interesse an den Vorführungen kann aufgrund begrenzter räumlicher Kapazitäten somit nicht abgedeckt werden, sodass inzwischen unter Segeberger Stadtvertretern unterschiedlicher Parteien eine Suche nach angemessenen Räumlichkeiten eingesetzt hat. Der Förderverein hofft daher, das VR-Modell ab dem nächsten Jahr unter verbesserten Voraussetzungen und an einem beständigen Ort einem breiteren Publikum anbieten und es auf diese Weise auch für eine touristische Werbung für die Stadt Bad Segeberg einsetzen zu können. Auf unterhaltsame und anschauliche Weise wurden die Ausführungen von Nils Hinrichsen mit einem Kurzfilm aus dem Modell via Großbildschirm und mittels zahlreicher Rollups aus der begleitenden Ausstellung bereichert. Auch das Buch „Segeberg 1644“ und umfangreiches Info-Material standen zur Verfügung und wechselten während der Versammlung seine Besitzer. 

Die abschließende Aussprache der Versammelten über die Arbeit des Fördervereins zeigte eine große Zustimmung und Ermutigung, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Um 21:15 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. 

Unser neues Konzept eines Kulturellen Zentrums für Bildung, Kultur und Tourismus im Kreis Segeberg.

Prof. Asmus J. Hintz, Vorsitzender des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg, erläutert Marlis Stagat, die sich um das Amt der Bürgermeisterin in Bad Segeberg bewirbt, unser neues Konzept eines Kulturellen Zentrums für Bildung, Kultur und Tourismus im Kreis Segeberg. Um die Frage „Wer soll das bezahlen?“ geht es ab der 12. Minute und anschließend um die Anforderungen an die Politik. Dran bleiben: Es bleibt spannend bis zum Schluss!

Würdigung des Museumsleiters
Nils Hinrichsen

Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Vorstand Nils Hinrichsen

Nach acht Jahren äußerst erfolgreicher Tätigkeit wurde der engagierte Museumsleiter Nils Hinrichsen ohne offizielle Verabschiedung von seinem Arbeitgeber, der VHS Bad Segeberg, entlassen. Sein Name und seine Verdienste wurden nicht gewürdigt und bleiben seitdem unerwähnt. Über Gründe und Hintergründe kursieren seit Beginn des Jahres 2020 Gerüchte und Spekulationen, welche die Reputation von Nils Hinrichsen fortgesetzt beschädigen. Die unterzeichneten Vorstandsmitglieder des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg (einem Verein, in dem sich Hinrichsen ebenfalls für die Museumslandschaft Segebergs engagiert) sehen sich daher veranlasst, Stellung zu beziehen.

Der Vorstand des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum ist betroffen, dass ein verdienstvoller Mensch, dessen fachliche Kompetenz und menschliche Integrität allseits geschätzt wird, Gerüchten und Vermutungen ausgesetzt ist, die hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand geäußert werden. Viele reden über diesen Fall, wenige wissen Genaues, und niemand fragt, warum ein unbescholtener und verdienstvoller Experte und Mitbürger plötzlich ausgegrenzt wird. – Dieses systematische „Totschweigen“ hat eine traurige Tradition, der wir uns entschieden widersetzen:

  • Wir versichern unserem Freund und Kollegen Nils Hinrichsen unsere menschliche und fachliche Wertschätzung.
  • Wir danken ihm für sein unermüdliches und inspirierendes Wirken als Leiter des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus, welches durch ihn Ansehen und Akzeptanz weit über die Grenzen Segebergs hinaus gewonnen hat.
  • Wir schätzen uns glücklich, dass Nils Hinrichsen seine fachliche Kompetenz, sein exzellentes berufliches Netzwerk und seine langjährigen Berufserfahrungen auch weiterhin in die Realisierung des Segeberger Kreis- und Stadtmuseums einbringen wird.

Prof. Asmus J. Hintz  |  OStR. i. R. Norbert Schmitt  |  Dipl.-Ing. i. R. Jochen Saggau
Vorstand Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg e. V.

Bad Segeberg, 13. August 2020

Vorgeschichte:

Von 1964 bis 2011 betrieb die Stadt Bad Segeberg ihr Heimatmuseum in eigener Trägerschaft; eine geringverdienende Person bestritt in der Sommersaison jeweils die stark eingeschränkten Öffnungszeiten. Die fachlich unzulängliche Präsentation war für den Historiker und Museumsfachmann Nils Hinrichsen Anlass, 2010 ein umfangreiches Museumskonzept zur Neuaufstellung zu verfassen. 2011 hat Hinrichsen dieses ehrenamtlich und auf eigene Initiative erstellte Konzept nach ca. drei Monaten intensiver Arbeit der Stadt (d. h. Bürgermeister Dieter Schönfeld und Bürgervorsteherin Ingrid Altner) unentgeltlich angeboten. 

Dank der finanziellen Unterstützung der Lübecker Jürgen-Wessel-Stiftung konnte Nils Hinrichsen im April 2012 als Leiter des Museums in Anstellung der VHS auf einer halben Stelle sein Konzept realisieren. Unter seiner Leitung erblühte das Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus zwischen 2012 und 2019 zu einem neuen kulturellen Fixpunkt der Stadt. Erstmals wurde die auf wissenschaftlicher Basis erforschte Geschichte des ältesten Bürgerhauses der Stadt präsentiert. Gänzlich neu entstand zudem auch eine Abteilung zur Stadtgeschichte Segebergs. Daneben bereicherte der Aufbau etlicher weiterer Sonderausstellungen das Museumsangebot. Sämtliche Ausstellungen gründeten erstmals auf wissenschaftlichen Recherchen und fundierten Forschungsarbeiten, die Nils Hinrichsen begleitend in etlichen Publikationen und Vorträgen offerierte.  Die Gründung des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 geht auf seine Initiative zurück. Mit den Mitgliedsbeiträgen konnte in der Folge ein Grundetat für künftige Museumsprojekte geschaffen werden. 

Die Museumszertifizierung des Alt-Segeberger Bürgerhauses:

Mit dem absehbaren Auslaufen der Unterstützung durch die Jürgen-Wessel-Stiftung (160.000 EUR) wurde die VHS im August 2017 mit der Absicht der Stadt konfrontiert, das Museum künftig wieder ehrenamtlich zu betreiben. Um Zuschüsse zu erhalten, beschloss die Stadtvertretung, die Zertifizierung des Museums anzustreben. Der Beschluss über die Museumszertifizierung wurde unverständlicherweise ohne Rücksprache mit dem Museumsleiter Nils Hinrichsen getroffen. Der Experte hätte umgehend vor der leichtfertigen Prognose „einfacher zu erringender Fördergelder für ein zertifiziertes Museum“ gewarnt, da zentrale Standards eines professionellen Museumsbetriebs in dem unzulänglichen und viel zu kleinen Altbau des Alt-Segeberger Bürgerhauses auf keinen Fall hätten umgesetzt werden können. Bereits anlässlich des Beratungsgesprächs wiesen die Zertifizierungsfachkräfte auf die vielfachen Unzulänglichkeiten des Alt-Segeberger Bürgerhauses hin.

Gleichwohl hat Museumsleiter Hinrichsen im Laufe des Jahres 2018 das umfangreiche Pensum der Museumszertifizierung termingerecht erfüllt. Im Juni 2018 empfahl die Museumsberaterin Dagmar Rösner u. a.: „Die örtliche Bebauung erlaubt eine Erweiterung des Museums durch einen Neubau auf der anschließenden Freifläche oder die Einbeziehung eines Nachbargebäudes. Es sollte geprüft werden, ob der aus dem Jahr 1788 stammende Höhlenkrug, der als ehemaliges Landratsamt für eine Nutzung als Museum prädestiniert wäre, saniert und umgenutzt werden kann“ und weiter: „Für die Zertifizierung des Alt-Segeberger Bürgerhauses muss jedoch gewährleistet sein, dass Vermittlungsangebote für alle Alters- und Zielgruppen vorliegen – insbesondere auch für Schulen. Dies spricht wieder für eine Erweiterung des Stadtmuseums zu einem Kreismuseum.  Erwartungsgemäß wurde das Zertifikat für das Alt-Segeberger Bürgerhaus Ende 2018 nicht erteilt. Warum wurden bis heute weder die Gründe für das Scheitern der Museumszertifizierung noch die Empfehlungen der Museumsberaterin in der Stadtvertretung erörtert? 

Der Konflikt:

Den Empfehlungen der Museumszertifizierung folgend, gründete ein Kreis Engagierter am 6. Februar 2019 den „Förderverein Kreis- & Stadtmuseum Segeberg“. In den Vorstand wurden Prof. Asmus J. Hintz als 1. Vorsitzender, Norbert Schmitt als 2. Vorsitzender, Jochen Saggau als Schatzmeister und Nils Hinrichsen als Schriftführer gewählt. In aller Offenheit war auch Manfred Quaatz als Vorsitzender des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 zu einer Mitarbeit im neuen Förderverein eingeladen; dieser lehnte eine Mitwirkung jedoch ab. Am 18. Juni 2019 hatte der Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg in einer breit angelegten Pressekonferenz im „Höhlenkrug“ die Realisierung seiner Vision, die Eröffnung eines Kreis- und Stadtmuseums Segeberg im Jahre 2025, vorgestellt. Hierzu waren Bürgervorsteherin Monika Saggau, Bürgermeister Dieter Schönfeld und ebenso „Freundeskreis“-Vorsitzender Manfred Quaatz sowie VHS-Geschäftsführer Michael Kölln eingeladen. Herr Quaatz und Herr Kölln konnten wegen anderer Termine die Einladung nicht wahrnehmen.

 Am 3. Juli 2019 lud der Freundeskreis Segeberger Bürgerhaus von 1541 die Presse ins Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus ein und beklagte eine „Verschärfung des Wettbewerbs um Fördergelder“ durch den neugegründeten Förderverein. Das mutet seltsam an, weil unser Vorstandsmitglied Prof. Asmus J. Hintz zu den Großspendern des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus zählt. Zugleich kündigten Manfred Quaatz und Joachim Geppert im Namen ihrer Vorstandskollegen an, der Dachboden des Alt-Segeberger Bürgerhauses solle für über 100.000 EUR ausgebaut werden. – Den zuständigen Museumsleiter Nils Hinrichsen hatte man zuvor nicht in die Überlegungen einbezogen, sondern ihn erst über die Presse von diesen Absichten in Kenntnis gesetzt. Mit Sicherheit hätte er darauf hingewiesen, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude keinesfalls in diesem Umfang verändert werden könne. –  Die Aussage, die VHS erhalte nur 10.000 EUR von der Stadt Bad Segeberg als Unterstützung für die halbe Museumsleiterstelle – tatsächlich waren es jedoch 20.000 EUR (!) -, hat Irritationen ausgelöst. In Anbetracht der beklagten finanziellen Sorgen, die erhebliche Summe von 10.000 EUR nicht im Blick gehabt zu haben, ist inakzeptabel. Dieser Meinung war auch die Stadt Bad Segeberg und korrigierte öffentlich, dass sie tatsächlich jährlich 20.000 EUR als Zuschuss zahle.

Da der zuständige Museumsleiter Nils Hinrichsen, den man unbedingt in die Überlegungen zum Ausbau des Dachbodens hätte einbeziehen müssen, zu keinem Zeitpunkt darüber informiert worden war, äußerte unser 2. Vorsitzende Norbert Schmitt in einem Leserbrief die Befürchtung, der Umgang mit dem Museumsleiter im „Freundeskreis“ grenze bereits an Mobbing. Herr Quaatz bestand anschließend darauf, dass in einem Gespräch auf Vorstandsebene erörtert werden solle, welche gemeinsamen Schnittpunkte zwischen den Vereinen zu finden seien. Im Verlaufe des mühsam zustandegekommenen Gespräches offenbarte er sein eigentliches Interesse: Er verlangte, dass unser Vorstandskollege Norbert Schmitt die o. g.  Mobbing-Äußerung über das Verhalten von Herrn Quaatz öffentlich zurücknehmen solle, „weil diese seinen Ruf als ehemaliger Sparkassendirektor schädige“ [sic]. Diesem Wunsch konnte nicht entsprochen werden, da Norbert Schmitt sich als Privatmann und nicht einem Vorstandsbeschluss folgend geäußert hatte. Weitere Punkte der Zusammenarbeit wollte Herr Quaatz daraufhin nicht mehr erörtern, obwohl diese im Mittelpunkt des Gesprächs stehen sollten. Unsere Anregung zur Fortführung des Dialoges wurde nicht angenommen. 

Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Zusammenarbeit der VHS und des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 mit Nils Hinrichsen dergestalt, dass er ab Anfang September bis Saisonende (= Ende Oktober 2019) krankgeschrieben werden musste. Ende des Jahres 2019 trennte sich die Geschäftsführung der VHS zum 30. Juni 2020 im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung von dem erfolgreichen und überaus engagierten Museumsleiter Nils Hinrichsen. Anlässlich der Mitgliederversammlung des VHS-Vereins im Juli 2020 wurde auf die Gründe der Trennung von Nils Hinrichsen nicht näher eingegangen. Zudem hatte die VHS-Leitung bereits in den Monaten zuvor der tendenziösen Berichterstattung über ihren Mitarbeiter in der Lokalpresse (Segeberger Zeitung vom 14.02.2020: „Museums-Chef ist seinen Job los“) nicht widersprochen. All dies und der Umstand, dass Nils Hinrichsen ohne jegliche angemessene Verabschiedung bzw. Würdigung entlassen worden ist, schürt die Gerüchteküche und wird rufschädigend wahrgenommen. 

Tatsache ist, dass sein außerordentliches Engagement und die überdurchschnittlichen Leistungen entgegen allen Regeln des respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Mitarbeitern seitens der Geschäftsführung der VHS mit keiner Silbe erwähnt worden sind. Vor diesem Hintergrund gewinnt die von Norbert Schmitt in seinem damaligen Leserbrief artikulierte Befürchtung, der Umgang mit dem Museumsleiter im „Freundeskreis“ grenze schon an Mobbing, an Aktualität. 

Generell gilt: Wenn ein Mitarbeiter – auch ein ehemaliger – 

  • aufgrund der Art und Weise, wie seine Führungskräfte mit ihm umgehen und kommunizieren, krank wird
  • ohne Widerspruch seines Arbeitgebers in der Presse persönlichen Verunglimpfungen ausgesetzt wird 
  • erleben muss, dass seine bedeutsamen Verdienste für seinen Arbeitgeber entgegen den gesellschaftlich üblichen Gepflogenheiten nicht erwähnt werden,

ist die führungstechnische und soziale Kompetenz der Verantwortlichen kritisch zu hinterfragen.

Vorstands-Exkursion zum „kult“ nach Vreden

Bericht über die Besichtigung des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland am 31.01 bis 01.02.2020

„Von Vreden lernen“, so lautete der Titel des Vortrags, den die Leiterin des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland, Corinna Endlich, im vergangenen Juli im Bürgersaal gehalten hatte – ihre Ausführungen waren hochspannend und machten neugierig auf mehr. Anfang 2020 konnte der Vorstand auf eigene Kosten ihrer Einladung endlich nachkommen und besuchte auf einer 2-Tages-Exkursion das „kult“ (= kultur und lebendige tradition) in Vreden. Der Besuch übertraf die Erwartungen …

Nach einer längeren wie amüsanten Zug- und Busfahrt empfing Corinna Endlich – auch Kuratorin im Förderverein! – am Freitagmittag, 31. Januar 2020, die Delegation mit Kaffee und Kuchen und präsentierte im Anschluss bis zum Abend „ihr“ ganzes Haus – einen (fast) kompletten Neubau, der in seinen schlicht-modernen Räumen viel Platz für etliche Einrichtungen birgt:

Besichtigt wurden der moderne Konferenzraum, die Archive (Kreisarchiv Borken, Stadtarchiv Vreden, Verwaltungsarchiv des Kreises Borken), das Wissenschaftliche Institut (das eine zentrale Forschungsbibliothek samt Arbeits- und Leseräume unterhält und in dem Beratungen Dritter und eigene kreisweite Forschungsvorhaben stattfinden), die Geschäftsstelle der Kreisheimatpflege (dient als Ansprechpartner für mehr als 48 Heimatvereine im Kreis Borken), die Kulturabteilung des Kreises Borken (organisiert u. a. Konzertreihen, Graphikbörsen, Ausstellungen, Literaturveranstaltungen und Filmfestivals) und nicht zuletzt das Museum (mit seiner Dauerausstellung über zwei Stockwerke, dem Raum für Sonderausstellungen, dem Schaudepot, den Magazinen und Restaurierungswerkstätten) sowie die weitläufigen Räume für Museumspädagogik u. ä., dem großzügigen Atrium für alle möglichen öffentlichen Veranstaltungen und natürlich die Arbeitsräume der Mitarbeiter*Innen in den oberen Stockwerken.

Der Eindruck war überwältigend, und es wurde deutlich, zu welch bedeutendem kulturellen Knotenpunkt das „kult“ in der 22.000-Seelen-Gemeinde Vreden sich seit seiner Eröffnung im Sommer 2017 entwickelt hat. Mit seinen 12.000 qm über drei Stockwerke (plus Vollunterkellerung), 24 Mitarbeiter*Innen (plus 8 Honorarkräften) und seinem vielfältigen Angebot hat sich die Einrichtung als Publikumsmagnet weit über die Region hinaus etabliert – eine Kultureinrichtung, von der übrigens auch die Wirtschaft des Städtchens Vreden profitiert! 

Nach diesen grandiosen Eindrücken am Nachmittag reichte es bei den Vorstandsmitgliedern dann nur noch zu einem abendlichen Gang durch die (überschaubare) Gemeinde Vreden und zu einem opulenten Abendessen im Hotel, auf dem das Gesehene als Möglichkeit auch für Segeberg diskutiert wurde. Für den nächsten Tag war das „kult“ vor der Rückreise dann noch einmal angesagt: Die moderne und preisgekrönte Sichtbeton-Architektur ist dankbares Motiv für Fotos aus jeder Richtung – selbst bei Nieselregen. Und in der unmittelbaren Nähe liegt im Vredener Stadtpark die aus dem Kreis Borken translozierten Gebäude der „Hofanlage“ mit ihren elf historischen Häusern, die als Freilichtmuseum das Angebot des „kult“ ergänzen. Mit seinen Fachwerkbauten gibt diese Anlage einen reizvollen Kontrast zu dem modernen Sichtbetonbau des benachbarten Kulturzentrums ab. 

Mit der Besichtigung des „kult“ wurde noch einmal mehr deutlich, wie sehr ein Segeberger Kreis- & Stadtmuseum und die Stadt Bad Segeberg profitieren kann durch die Öffnung des Konzeptes zu einem kulturhistorischen Zentrum – nach dem Vorbild des „kult“ in Vreden!

Fotos: Jochen Saggau u. Nils Hinrichsen

VORTRAG VON PROF. DR. HANS WIßKIRCHEN AM 05.11.2019

Bericht über den Vortrag vom 05.11.2019 von

Prof. Dr. Hans Wißkirchen,

 Leitender Direktor Kulturstiftung Hansestadt Lübeck:

„Reichtum durch Kultur – Museum als kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung“

„Superstar der Renaissance“ – Heinrich Rantzau im künftigen Kreismuseum

Auf Einladung des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg e. V. sprach Prof. Dr. Hans Wißkirchen vor mehr als 60 Zuhörern aus dem Segeberger Stadt- und Kreisgebiet am 05. November 2019 im Bürgersaal des Segeberger Rathauses über das Thema „Reichtum durch Kultur – Museum als kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung“.
Der Leitende Direktor der Lübecker Museen betonte die Bedeutung von Museen mit regionalen Bezügen (Heimat- oder Stadtmuseen), da diese kulturelle Identität vermitteln und das Erleben von Heimat stärken, was mehr sei als „der Ort, wo sich das WLAN automatisch einwählt“. Museen seien aufgrund ihrer gründlichen Arbeitsweise eine unverzichtbare Ergänzung in unserer schnelllebigen, digitalisierten Welt. Digitalität im Sinne der Verbindung von Mensch und Technik sei für das zeitgemäße Arbeiten in Museen zwar wichtig, könne jedoch nicht die Begegnung mit der realen Welt ersetzen. Es sei zudem eine irrige Vorstellung, dass es kostengünstiger sei, virtuelle Museen statt reale Museumsorte zu betreiben. 

Wißkirchen betonte die Bedeutung von Museen als außerschulische Lernorte, die vom Gemeinwesen zu unterhalten seien. In Lübeck wisse man, dass 21% der Besucher*innen Schüler seien. Allerdings müsse man auf diese zugehen. So habe man gemeinsam mit Schulen die Aktion „Schüler führen Schüler“ (… durch das Museum) entwickelt, biete „Unterrichtspakete“ zu speziellen Themen sowie Museumskunde für neunte Klassen als Wahlpflichtfach an.

Die Lübecker Museen seien das kulturelle Gedächtnis der Stadt; auch ein künftiges Kreis- und Stadtmuseum in Bad Segeberg habe vor allem diese Aufgabe. Eine Kreisstadt ohne ein professionell geführtes Museum sei im kulturellen Sinne kein lebenswerter Ort für Menschen, so Wißkirchen. Insbesondere als Standortfaktor für die Wirtschaft und den Tourismus gewinne Kultur zunehmend an Bedeutung.

Wißkirchen betonte, dass Museen zwar nicht als Profitcenter betrachtet werden dürften, man aber stets kostenbewusst wirtschaften müsse. So habe man in Lübeck eine wissenschaftliche und eine kaufmännische Geschäftsführung, die eng zusammenarbeiten. Nach Wißkirchens Erfahrung seien Eintrittsgelder auch wichtig, um private Stifter und Förderer zu überzeugen. Ein gut geführter Museumsshop trage wesentlich zur Optimierung der Einnahmenseite bei: So seien im Falle der Nolde-Ausstellung dadurch bis zu 700.000 Euro zusätzlich erlöst worden. Die Verwendung der Gelder sei stets transparent zu dokumentieren, um die Unterstützer aus Politik und Wirtschaft nicht zu verlieren. – Wen erreichen wir mit unserem Museum, welchen Mehrwert bringt es für die Stadt und den Kreis? – Diese Fragen müssten überzeugend beantwortet werden. Kultur und Wirtschaft müssen einander ergänzen.

Als Museum interessante Exponate anzubieten, das sei das A und O für dessen Erfolg. Diese Frage bewegte auch die Zuhörer im Rathaussaal. Konsul Bernd Jorkisch: „Welche interessanten Exponate hätte ein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg zu bieten? Was gibt es in ausreichender Anzahl?“ Prof. Hintz: „Da ein professionell geführtes Kreis- und Stadtmuseum fehlt und eine ordnungsgemäße Aufbewahrung und Darstellung der Exponate deshalb nicht möglich ist, befinden sich viele interessante Segeberger (!) Objekte weit verstreut in Archiven und Magazinen des Landes Schleswig-Holsteins, Hamburgs und anderer Orte. Diese wären dann zurückzuholen, um sie hier zu zeigen.“ Dagmar Rösner (Leiterin der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein) verwies auf Heinrich Rantzau, den „Superstar der Renaissance“: „Seine umfangreiche Bibliothek mit 6.000 Bänden (heute weitverstreut noch in Restbeständen vorhanden) und sein einflussreiches Wirken zum Wohle der Stadt, des heutigen Kreises Segeberg und des Landes Schleswig-Holstein in Verbindung mit der vermittlungswürdigen Geschichte Segebergs bieten viel Material und Stoff für ein interessantes Museum.“

Wißkirchen empfahl, das künftige Kreis- und Stadtmuseum mit den anderen Sammlungen und Museen des Kreises und der Stadt zu vernetzen. Die Kooperation mit der Kalkberg GmbH biete sich an, um das Potenzial der großen Anzahl von Festspiel-Besuchern auch für einen Museumsbesuch zu interessieren. In der anschließenden einstündigen Gesprächsrunde mit dem Referenten zeigte sich das große Interesse der Besucher*innen an der Thematik. 

Prof. Asmus J. Hintz

Bad Segeberg, 07.11.2019

VORTRAG VON DR. FRANK WILSCHEWSKI AM 24.09.2019

Am 24. September 2019 stellte der Neustädter Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski im Bad Segeberger Rathaus den erfolgreichen Umbau des einstigen „Ostholstein-Museums“ zum „ZeiTTor – Museum der Stadt Neustadt“ vor.

Dr. Wilschewski erläuterte die vielen Neuerungen, die das Neustädter Museum seit der Neuausrichtung unter seiner Leitung zu einer hochattraktiven Bereicherung für 15.000 Neustädter und ihre zahlreichen Feriengäste entwickelt hat.

Neben der Neuausrichtung mit vielen Extra-Angeboten für Besucher legt das ZeiTTor dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die „Museumspädagogik“; mit zwei weiteren hauptamtlichen Museumspädagogen und vielen Mitmachstationen ist das Mitmachmuseum mit rd. 150 Kinder- und Jugendgruppen im Jahr inzwischen als „außerschulischer Lernort“ anerkannt.

Doch als zwingend notwendig für eine Neuaufstellung zum erfolgreichen „ZeiTTor“-Museum riet Wilschewski zur professionellen Entwicklung einer „Marke“: Erst ein klug entwickeltes „Image“ mit einer unverwechselbaren Identität macht das Museum für Besucher attraktiv, wie das ZeiTTor mit seiner gesteigerten Anzahl von jährlich 12.000 Besuchern eingehend belege.

In Bad Segeberg würde sich das benachbarte ehemalige „Höhlenkrug“-Gebäude mit den angrenzenden Bäckerei-Bauten, so Wilschewski, dafür in herausragender Weise eignen.

Die anschaulichen Ausführungen des Neustädter Museumsleiters weckten im Publikum vielfache Neugierde, sodass sich dem Vortrag eine angeregte Fragestunde anschloss. 

Unser Förderverein am SPD-KulturTag (07.09.2019)

Mit Fotos von Jochen Saggau und einem Gastbeitrag von Magnus Wittern / Bad Segeberg

Am Samstag, den 7. September 2019, veranstalteten die Bad Segeberger Sozialdemokraten den SPD-KulturTag auf der Seepromenade.

Es gab ein buntes Musikprogramm: In wechselnder Besetzung spielte Gitarrenlehrerin Kerstin Reuß mit ihren Schülern und Vorsitzender Magnus Wittern präsentierte Klaviermusik. Viel Zuspruch fand das gemeinsame Singen, zu dem sich spontan auch Prof. Asmus J. Hintz und Beatrice Hintz als Vorsänger bereiterklärten. Christel Bornkopp hatte hierzu ein kleines Programm erarbeitet, Detlef Dreessen steuerte Liederbücher für die Teilnehmer bei.

Auch die Kunstausstellung fand viele Interessenten: Die Künstlerinnen Mica Will und Bettina Buff-Fröhlich präsentierten Werke mit aktuellem und politischem Bezug, so etwa zu den Themen „NSA und NSU“ und „Flucht und Migration“. Hinzu kamen Skulpturen von Bad Segebergs Bildhauer und Ehrenbürger Otto Flath.

Aus den angebotenen Podiumsdiskussionen entwickelten sich offene Gespräche, in denen gute Ideen für eine neue Kulturpolitik in Bad Segeberg gefunden wurden. In einem waren sich die Gesprächsteilnehmer aus Kunst, Musik und Kommunalpolitik einig: Kultur braucht Raum – örtlich, aber insbesondere auch finanziell.

Laut wurde die Forderung nach einem Kulturetat, für dessen Finanzierung verschiedene Ideen vorgebracht wurden. Auch forderten die Anwesenden, dass öffentlicher Raum für Kunstausstellungen zugänglich gemacht wird.

Das Projekt „Kreis- und Stadtmuseum“ stieß auf viel Interesse, der hierzu gegründete Förderverein konnte im Rahmen der Veranstaltung sogar neue Mitglieder gewinnen.

Nicht zuletzt bot jedoch der Veranstaltungsort selbst Stoff für Ideen und Vorschläge: Erwin Prochnow wies auf das Potenzial hin, das die Seepromenade insb. für Musikdarbietungen habe. Hier sei es an Stadt und Kommunalpolitik, dafür erforderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ex-Bürgermeister Udo Fröhlich konnte sich eine Belebung mit Kleinkunst vorstellen; er erinnerte auch daran, dass es damals sogar eine Bühne auf dem See gab, die mit Schwimmpotons aufgebaut wurde.

Das Interesse an Kultur in Bad Segeberg ist groß und einige Bad Segeberger sind bereit, dafür auch anzupacken. Weitere Aktionen werden daher nicht lange auf sich warten lassen.

Unser Stadtfest-Stand am 31.08.2019

„Wir sind für Sie da!“

Info-Tag am 24.08.2019

Frei nach unserem Motto : „Das kriegen wir gebacken!“

An einem sonnigen Samstag, dem 24. August 2019 hatte der Förderverein Kreis- & Stadtmuseum Segeberg e. V. alle Interessierten ab 14 Uhr zu einem „Info-Tag“ in die Backstube der ehemaligen Höhlenkrug-Bäckerei eingeladen. Unter dem Motto „Das kriegen wir gebacken“ war ein reichhaltiges Programm in einer der großen Hallen sowie auf dem Hof der ehemaligen Bäckerei organisiert, das den „Info-Tag“ zu einem fröhlichen Sommerfest werden ließ. Mit der freundlichen Genehmigung der Eigentümer Stefan und Angelika Sorgenfrey konnte das künftige Museumsareal somit erneut für eine Veranstaltung des Fördervereins Kreis- & Stadtmuseum genutzt werden, um für die Gründung eines kulturhistorischen Zentrums in der Segeberger Altstadt zu werben. 

Das Programm startete um 14.30 Uhr mit einem Puppentheater (für kleine und große „Kinder“). Aufgeführt wurde das illustre Stück „Der magische Raum“, geschrieben von dem 2. Vereinsvorsitzenden Norbert Schmitt: Darin reisen Kasper und Seppel in eine historische Vergangenheit zurück, um Gutes zu bewirken …  Für den erkrankten Puppenspieler Norbert Schmitt sprang spontan Asmus Hintz ein, der mit der Puppenspielerin Kirsten Schmitt in einem brillanten Zusammenspiel das Publikum zu verzaubern verstand. 

In einem improvisierten „ersten Museums-Café“ – unermüdlich bestritten durch die Vereinsmitglieder Christel Dankert und Karin Hinrichsen – wurde das zahlreiche Publikum auf köstliche Weise mit selbstgebackenen Torten, Kuchen und Kaffee versorgt. Von hieraus genossen die Gäste schon jetzt einen wunderschönen Blick über die Altstadthäuser bis hinüber zur Kirchturmspitze der Marienkirche! Dabei durfte auch die Musik nicht fehlen: Im Außenbereich trat ab 15 Uhr Magnus Wittern (stadtbekannt auch als Vorsitzender des Segeberger SPD-Ortsvereins) am E-Piano mit selbstgeschriebenen und anderen beliebten Liedern auf. Die zahlreichen Café-Besucher zollten begeistert Applaus.

Zum Bilder-Vortrag des 1. Vorsitzenden, Prof. Asmus Hintz, der für 16 Uhr angekündigt war, hatte sich die Backstube bis auf den letzten Platz und sogar noch darüber hinaus gefüllt. Nach den sehr überzeugenden Ausführungen entspannte sich eine rege Diskussion; im Anschluss daran traten viele Besucher spontan dem Verein bei.

Einen weiteren musikalischen Höhepunkt genossen die Besucher nach 17 Uhr mit dem beliebten Segeberger Duo „Sheldon&Cooper“. Vor der beeindruckenden riesigen Fotowand des künftigen „Kreis- und Stadtmuseums Palais Wichmann“ konnten die Zuhörer dabei glatt den Eindruck gewinnen, die Musiker würden mit ihren zahlreichen Instrumenten auf einem Vorplatz des Museums auftreten …

Während der gesamten Zeit standen die Vorstandsmitglieder des Fördervereins für Fragen und Informationen an einem eigenen Vereinsstand zur Verfügung und erläuterten anhand diverser Rollups bereitwillig das Projekt des künftigen „Kreis- & Stadtmuseums“. 

Eine rundum gelungene Veranstaltung mit ca. 100 Besuchern ging gegen 18 Uhr zu Ende. – Weitere Info-Veranstaltungen sind in Planung! 

ERÖFFNUNG DER VERANSTALTUNGSREIHE MIT DEM VORTRAG VON CORINNA ENDLICH AM 30.07.2019 

Am 30. Juli 2019 eröffnete Corinna Endlich, M. A., im Bürgersaal des Bad Segeberger Rathauses die Vortragsreihe des Fördervereins.

Vor einem sehr interessierten Publikum referierte die Leiterin des „kult“ in Vreden (Landkreis Borken) zum Thema „Ein kulturhistorisches Museum als Anziehungspunkt für die Region – von Vreden lernen!“

Mit ihrem reichhaltig illustrierten Vortrag über das „kult“ konnte Corinna Endlich den erheblichen Mehrwert aufzeigen, den dieses vom Landkreis Borken neu geschaffene und von ihr erfolgreich eingeführte kulturhistorische Zentrum für das ganze umliegende Westmünsterland seit der Eröffnung 2017 darstellt.

Deutlich wurde zugleich, wie der Prozess in Vreden – von den ersten Überlegungen über die Planung bis zur Eröffnung des Kulturzentrums mit Museum, Bibliothek, Archiven, Forschungseinrichtungen und Veranstaltungsräumen – als Vorlage auch für ein Segeberger Kreis- und Stadtmuseum dienen kann. 

Zuletzt waren die Ausführungen von Corinna Endlich in ihrer fachlichen Kompetenz derart überzeugend, dass der Förderverein sich glücklich schätzt, sie in der Folge als neues Kuratoriumsmitglied des Fördervereins gewonnen zu haben.