Unser neues Konzept eines Kulturellen Zentrums für Bildung, Kultur und Tourismus im Kreis Segeberg.

Prof. Asmus J. Hintz, Vorsitzender des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg, erläutert Marlis Stagat, die sich um das Amt der Bürgermeisterin in Bad Segeberg bewirbt, unser neues Konzept eines Kulturellen Zentrums für Bildung, Kultur und Tourismus im Kreis Segeberg. Um die Frage „Wer soll das bezahlen?“ geht es ab der 12. Minute und anschließend um die Anforderungen an die Politik. Dran bleiben: Es bleibt spannend bis zum Schluss!

Würdigung des Museumsleiters
Nils Hinrichsen

Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Vorstand Nils Hinrichsen

Nach acht Jahren äußerst erfolgreicher Tätigkeit wurde der engagierte Museumsleiter Nils Hinrichsen ohne offizielle Verabschiedung von seinem Arbeitgeber, der VHS Bad Segeberg, entlassen. Sein Name und seine Verdienste wurden nicht gewürdigt und bleiben seitdem unerwähnt. Über Gründe und Hintergründe kursieren seit Beginn des Jahres 2020 Gerüchte und Spekulationen, welche die Reputation von Nils Hinrichsen fortgesetzt beschädigen. Die unterzeichneten Vorstandsmitglieder des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg (einem Verein, in dem sich Hinrichsen ebenfalls für die Museumslandschaft Segebergs engagiert) sehen sich daher veranlasst, Stellung zu beziehen.

Der Vorstand des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum ist betroffen, dass ein verdienstvoller Mensch, dessen fachliche Kompetenz und menschliche Integrität allseits geschätzt wird, Gerüchten und Vermutungen ausgesetzt ist, die hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand geäußert werden. Viele reden über diesen Fall, wenige wissen Genaues, und niemand fragt, warum ein unbescholtener und verdienstvoller Experte und Mitbürger plötzlich ausgegrenzt wird. – Dieses systematische „Totschweigen“ hat eine traurige Tradition, der wir uns entschieden widersetzen:

  • Wir versichern unserem Freund und Kollegen Nils Hinrichsen unsere menschliche und fachliche Wertschätzung.
  • Wir danken ihm für sein unermüdliches und inspirierendes Wirken als Leiter des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus, welches durch ihn Ansehen und Akzeptanz weit über die Grenzen Segebergs hinaus gewonnen hat.
  • Wir schätzen uns glücklich, dass Nils Hinrichsen seine fachliche Kompetenz, sein exzellentes berufliches Netzwerk und seine langjährigen Berufserfahrungen auch weiterhin in die Realisierung des Segeberger Kreis- und Stadtmuseums einbringen wird.

Prof. Asmus J. Hintz  |  OStR. i. R. Norbert Schmitt  |  Dipl.-Ing. i. R. Jochen Saggau
Vorstand Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg e. V.

Bad Segeberg, 13. August 2020

Vorgeschichte:

Von 1964 bis 2011 betrieb die Stadt Bad Segeberg ihr Heimatmuseum in eigener Trägerschaft; eine geringverdienende Person bestritt in der Sommersaison jeweils die stark eingeschränkten Öffnungszeiten. Die fachlich unzulängliche Präsentation war für den Historiker und Museumsfachmann Nils Hinrichsen Anlass, 2010 ein umfangreiches Museumskonzept zur Neuaufstellung zu verfassen. 2011 hat Hinrichsen dieses ehrenamtlich und auf eigene Initiative erstellte Konzept nach ca. drei Monaten intensiver Arbeit der Stadt (d. h. Bürgermeister Dieter Schönfeld und Bürgervorsteherin Ingrid Altner) unentgeltlich angeboten. 

Dank der finanziellen Unterstützung der Lübecker Jürgen-Wessel-Stiftung konnte Nils Hinrichsen im April 2012 als Leiter des Museums in Anstellung der VHS auf einer halben Stelle sein Konzept realisieren. Unter seiner Leitung erblühte das Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus zwischen 2012 und 2019 zu einem neuen kulturellen Fixpunkt der Stadt. Erstmals wurde die auf wissenschaftlicher Basis erforschte Geschichte des ältesten Bürgerhauses der Stadt präsentiert. Gänzlich neu entstand zudem auch eine Abteilung zur Stadtgeschichte Segebergs. Daneben bereicherte der Aufbau etlicher weiterer Sonderausstellungen das Museumsangebot. Sämtliche Ausstellungen gründeten erstmals auf wissenschaftlichen Recherchen und fundierten Forschungsarbeiten, die Nils Hinrichsen begleitend in etlichen Publikationen und Vorträgen offerierte.  Die Gründung des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 geht auf seine Initiative zurück. Mit den Mitgliedsbeiträgen konnte in der Folge ein Grundetat für künftige Museumsprojekte geschaffen werden. 

Die Museumszertifizierung des Alt-Segeberger Bürgerhauses:

Mit dem absehbaren Auslaufen der Unterstützung durch die Jürgen-Wessel-Stiftung (160.000 EUR) wurde die VHS im August 2017 mit der Absicht der Stadt konfrontiert, das Museum künftig wieder ehrenamtlich zu betreiben. Um Zuschüsse zu erhalten, beschloss die Stadtvertretung, die Zertifizierung des Museums anzustreben. Der Beschluss über die Museumszertifizierung wurde unverständlicherweise ohne Rücksprache mit dem Museumsleiter Nils Hinrichsen getroffen. Der Experte hätte umgehend vor der leichtfertigen Prognose „einfacher zu erringender Fördergelder für ein zertifiziertes Museum“ gewarnt, da zentrale Standards eines professionellen Museumsbetriebs in dem unzulänglichen und viel zu kleinen Altbau des Alt-Segeberger Bürgerhauses auf keinen Fall hätten umgesetzt werden können. Bereits anlässlich des Beratungsgesprächs wiesen die Zertifizierungsfachkräfte auf die vielfachen Unzulänglichkeiten des Alt-Segeberger Bürgerhauses hin.

Gleichwohl hat Museumsleiter Hinrichsen im Laufe des Jahres 2018 das umfangreiche Pensum der Museumszertifizierung termingerecht erfüllt. Im Juni 2018 empfahl die Museumsberaterin Dagmar Rösner u. a.: „Die örtliche Bebauung erlaubt eine Erweiterung des Museums durch einen Neubau auf der anschließenden Freifläche oder die Einbeziehung eines Nachbargebäudes. Es sollte geprüft werden, ob der aus dem Jahr 1788 stammende Höhlenkrug, der als ehemaliges Landratsamt für eine Nutzung als Museum prädestiniert wäre, saniert und umgenutzt werden kann“ und weiter: „Für die Zertifizierung des Alt-Segeberger Bürgerhauses muss jedoch gewährleistet sein, dass Vermittlungsangebote für alle Alters- und Zielgruppen vorliegen – insbesondere auch für Schulen. Dies spricht wieder für eine Erweiterung des Stadtmuseums zu einem Kreismuseum.  Erwartungsgemäß wurde das Zertifikat für das Alt-Segeberger Bürgerhaus Ende 2018 nicht erteilt. Warum wurden bis heute weder die Gründe für das Scheitern der Museumszertifizierung noch die Empfehlungen der Museumsberaterin in der Stadtvertretung erörtert? 

Der Konflikt:

Den Empfehlungen der Museumszertifizierung folgend, gründete ein Kreis Engagierter am 6. Februar 2019 den „Förderverein Kreis- & Stadtmuseum Segeberg“. In den Vorstand wurden Prof. Asmus J. Hintz als 1. Vorsitzender, Norbert Schmitt als 2. Vorsitzender, Jochen Saggau als Schatzmeister und Nils Hinrichsen als Schriftführer gewählt. In aller Offenheit war auch Manfred Quaatz als Vorsitzender des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 zu einer Mitarbeit im neuen Förderverein eingeladen; dieser lehnte eine Mitwirkung jedoch ab. Am 18. Juni 2019 hatte der Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg in einer breit angelegten Pressekonferenz im „Höhlenkrug“ die Realisierung seiner Vision, die Eröffnung eines Kreis- und Stadtmuseums Segeberg im Jahre 2025, vorgestellt. Hierzu waren Bürgervorsteherin Monika Saggau, Bürgermeister Dieter Schönfeld und ebenso „Freundeskreis“-Vorsitzender Manfred Quaatz sowie VHS-Geschäftsführer Michael Kölln eingeladen. Herr Quaatz und Herr Kölln konnten wegen anderer Termine die Einladung nicht wahrnehmen.

 Am 3. Juli 2019 lud der Freundeskreis Segeberger Bürgerhaus von 1541 die Presse ins Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus ein und beklagte eine „Verschärfung des Wettbewerbs um Fördergelder“ durch den neugegründeten Förderverein. Das mutet seltsam an, weil unser Vorstandsmitglied Prof. Asmus J. Hintz zu den Großspendern des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus zählt. Zugleich kündigten Manfred Quaatz und Joachim Geppert im Namen ihrer Vorstandskollegen an, der Dachboden des Alt-Segeberger Bürgerhauses solle für über 100.000 EUR ausgebaut werden. – Den zuständigen Museumsleiter Nils Hinrichsen hatte man zuvor nicht in die Überlegungen einbezogen, sondern ihn erst über die Presse von diesen Absichten in Kenntnis gesetzt. Mit Sicherheit hätte er darauf hingewiesen, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude keinesfalls in diesem Umfang verändert werden könne. –  Die Aussage, die VHS erhalte nur 10.000 EUR von der Stadt Bad Segeberg als Unterstützung für die halbe Museumsleiterstelle – tatsächlich waren es jedoch 20.000 EUR (!) -, hat Irritationen ausgelöst. In Anbetracht der beklagten finanziellen Sorgen, die erhebliche Summe von 10.000 EUR nicht im Blick gehabt zu haben, ist inakzeptabel. Dieser Meinung war auch die Stadt Bad Segeberg und korrigierte öffentlich, dass sie tatsächlich jährlich 20.000 EUR als Zuschuss zahle.

Da der zuständige Museumsleiter Nils Hinrichsen, den man unbedingt in die Überlegungen zum Ausbau des Dachbodens hätte einbeziehen müssen, zu keinem Zeitpunkt darüber informiert worden war, äußerte unser 2. Vorsitzende Norbert Schmitt in einem Leserbrief die Befürchtung, der Umgang mit dem Museumsleiter im „Freundeskreis“ grenze bereits an Mobbing. Herr Quaatz bestand anschließend darauf, dass in einem Gespräch auf Vorstandsebene erörtert werden solle, welche gemeinsamen Schnittpunkte zwischen den Vereinen zu finden seien. Im Verlaufe des mühsam zustandegekommenen Gespräches offenbarte er sein eigentliches Interesse: Er verlangte, dass unser Vorstandskollege Norbert Schmitt die o. g.  Mobbing-Äußerung über das Verhalten von Herrn Quaatz öffentlich zurücknehmen solle, „weil diese seinen Ruf als ehemaliger Sparkassendirektor schädige“ [sic]. Diesem Wunsch konnte nicht entsprochen werden, da Norbert Schmitt sich als Privatmann und nicht einem Vorstandsbeschluss folgend geäußert hatte. Weitere Punkte der Zusammenarbeit wollte Herr Quaatz daraufhin nicht mehr erörtern, obwohl diese im Mittelpunkt des Gesprächs stehen sollten. Unsere Anregung zur Fortführung des Dialoges wurde nicht angenommen. 

Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Zusammenarbeit der VHS und des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus von 1541 mit Nils Hinrichsen dergestalt, dass er ab Anfang September bis Saisonende (= Ende Oktober 2019) krankgeschrieben werden musste. Ende des Jahres 2019 trennte sich die Geschäftsführung der VHS zum 30. Juni 2020 im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung von dem erfolgreichen und überaus engagierten Museumsleiter Nils Hinrichsen. Anlässlich der Mitgliederversammlung des VHS-Vereins im Juli 2020 wurde auf die Gründe der Trennung von Nils Hinrichsen nicht näher eingegangen. Zudem hatte die VHS-Leitung bereits in den Monaten zuvor der tendenziösen Berichterstattung über ihren Mitarbeiter in der Lokalpresse (Segeberger Zeitung vom 14.02.2020: „Museums-Chef ist seinen Job los“) nicht widersprochen. All dies und der Umstand, dass Nils Hinrichsen ohne jegliche angemessene Verabschiedung bzw. Würdigung entlassen worden ist, schürt die Gerüchteküche und wird rufschädigend wahrgenommen. 

Tatsache ist, dass sein außerordentliches Engagement und die überdurchschnittlichen Leistungen entgegen allen Regeln des respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Mitarbeitern seitens der Geschäftsführung der VHS mit keiner Silbe erwähnt worden sind. Vor diesem Hintergrund gewinnt die von Norbert Schmitt in seinem damaligen Leserbrief artikulierte Befürchtung, der Umgang mit dem Museumsleiter im „Freundeskreis“ grenze schon an Mobbing, an Aktualität. 

Generell gilt: Wenn ein Mitarbeiter – auch ein ehemaliger – 

  • aufgrund der Art und Weise, wie seine Führungskräfte mit ihm umgehen und kommunizieren, krank wird
  • ohne Widerspruch seines Arbeitgebers in der Presse persönlichen Verunglimpfungen ausgesetzt wird 
  • erleben muss, dass seine bedeutsamen Verdienste für seinen Arbeitgeber entgegen den gesellschaftlich üblichen Gepflogenheiten nicht erwähnt werden,

ist die führungstechnische und soziale Kompetenz der Verantwortlichen kritisch zu hinterfragen.

Vorstands-Exkursion zum „kult“ nach Vreden

Bericht über die Besichtigung des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland am 31.01 bis 01.02.2020

„Von Vreden lernen“, so lautete der Titel des Vortrags, den die Leiterin des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland, Corinna Endlich, im vergangenen Juli im Bürgersaal gehalten hatte – ihre Ausführungen waren hochspannend und machten neugierig auf mehr. Anfang 2020 konnte der Vorstand, auf eigene Kosten, ihrer Einladung endlich nachkommen und besuchte auf einer 2-Tages-Exkursion das „kult“ (= kultur und lebendige tradition) in Vreden. Der Besuch übertraf die Erwartungen noch … 

Nach einer längeren wie amüsanten Zug- und Busfahrt empfing Corinna Endlich – auch Kuratorin im Förderverein! – am Freitagmittag, den 31. Januar die Delegation mit Kaffee und Kuchen und präsentierte im Anschluss bis zum Abend „ihr“ ganzes Haus – einen (fast) kompletten Neubau, der in seinen schlicht-modernen Räumen viel Platz für etliche Einrichtungen birgt:

Besichtigt wurden der moderne Konferenzraum, die Archive (Kreisarchiv Borken, Stadtarchiv Vreden, Verwaltungsarchiv des Kreises Borken), das Wissenschaftliche Institut (das eine zentrale Forschungsbibliothek samt Arbeits- und Leseräume unterhält und in dem Beratungen Dritter und eigene kreisweite Forschungsvorhaben stattfinden), die Geschäftsstelle der Kreisheimatpflege (dient als Ansprechpartner für mehr als 48 Heimatvereine im Kreis Borken), die Kulturabteilung des Kreises Borken (organisiert u. a. Konzertreihen, Graphikbörsen, Ausstellungen, Literaturveranstaltungen und Filmfestivals) und nicht zuletzt das Museum (mit seiner Dauerausstellung über zwei Stockwerke, dem Raum für Sonderausstellungen, dem Schaudepot, den Magazinen und Restaurierungswerkstätten) sowie die weitläufigen Räume für Museumspädagogik u. ä., dem großzügigen Atrium für alle möglichen öffentlichen Veranstaltungen und natürlich die Arbeitsräume der Mitarbeiter*Innen in den oberen Stockwerken.

Der Eindruck war überwältigend und es wurde deutlich, zu welch bedeutendem kulturellen Knotenpunkt das „kult“ in der 22.000-Seelen-Gemeinde Vreden sich seit seiner Eröffnung im Sommer 2017 entwickelt hat. Mit seinen 12.000 qm über drei Stockwerke (plus Vollunterkellerung), 24 Mitarbeiter*Innen (plus 8 Honorarkräften) und seinem vielfältigen Angebot hat sich die Einrichtung als Publikumsmagnet weit über die Region hinaus etabliert – eine Kultureinrichtung, von der übrigens auch die Wirtschaft des Städtchens Vreden profitiert! 

Nach diesen grandiosen Eindrücken am Nachmittag reichte es bei den Vorstandsmitgliedern dann nur noch zu einem abendlichen Gang durch die (überschaubare) Gemeinde Vreden und zu einem opulenten Abendessen im Hotel, auf dem das Gesehene als Möglichkeit auch für Segeberg diskutiert wurde. Für den nächsten Tag war das „kult“ vor der Rückreise dann noch einmal angesagt: Die moderne und Preis gekrönte Sichtbeton-Architektur ist dankbares Motiv für Fotos aus jeder Richtung – selbst bei Nieselregen. Und in der unmittelbaren Nähe liegt im Vredener Stadtpark die aus dem Kreis Borken translozierten Gebäude der „Hofanlage“ mit ihren elf historischen Häusern, die als Freilichtmuseum das Angebot des „kult“ ergänzen. Mit seinen Fachwerkbauten gibt diese Anlage einen reizvollen Kontrast zu dem modernen Sichtbetonbau des benachbarten Kulturzentrums ab. 

Mit der Besichtigung des „kult“ wurde noch einmal mehr deutlich, wie sehr ein Segeberger Kreis- & Stadtmuseum und die Stadt Bad Segeberg profitieren kann durch die Öffnung des Konzeptes zu einem kulturhistorischen Zentrum – nach dem Vorbild des „kult“ in Vreden!

Fotos: Jochen Saggau u. Nils Hinrichsen

VORTRAG VON PROF. DR. HANS WIßKIRCHEN AM 05.11.2019

Bericht über den Vortrag vom 05.11.2019 von

Prof. Dr. Hans Wißkirchen,

 Leitender Direktor Kulturstiftung Hansestadt Lübeck:

„Reichtum durch Kultur – Museum als kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung“

„Superstar der Renaissance“ – Heinrich Rantzau im künftigen Kreismuseum

Auf Einladung des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum Segeberg e. V. sprach Prof. Dr. Hans Wißkirchen vor mehr als 60 Zuhörern aus dem Segeberger Stadt- und Kreisgebiet am 05. November 2019 im Bürgersaal des Segeberger Rathauses über das Thema „Reichtum durch Kultur – Museum als kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung“.
Der Leitende Direktor der Lübecker Museen betonte die Bedeutung von Museen mit regionalen Bezügen (Heimat- oder Stadtmuseen), da diese kulturelle Identität vermitteln und das Erleben von Heimat stärken, was mehr sei als „der Ort, wo sich das WLAN automatisch einwählt“. Museen seien aufgrund ihrer gründlichen Arbeitsweise eine unverzichtbare Ergänzung in unserer schnelllebigen, digitalisierten Welt. Digitalität im Sinne der Verbindung von Mensch und Technik sei für das zeitgemäße Arbeiten in Museen zwar wichtig, könne jedoch nicht die Begegnung mit der realen Welt ersetzen. Es sei zudem eine irrige Vorstellung, dass es kostengünstiger sei, virtuelle Museen statt reale Museumsorte zu betreiben. 

Wißkirchen betonte die Bedeutung von Museen als außerschulische Lernorte, die vom Gemeinwesen zu unterhalten seien. In Lübeck wisse man, dass 21% der Besucher*innen Schüler seien. Allerdings müsse man auf diese zugehen. So habe man gemeinsam mit Schulen die Aktion „Schüler führen Schüler“ (… durch das Museum) entwickelt, biete „Unterrichtspakete“ zu speziellen Themen sowie Museumskunde für neunte Klassen als Wahlpflichtfach an.

Die Lübecker Museen seien das kulturelle Gedächtnis der Stadt; auch ein künftiges Kreis- und Stadtmuseum in Bad Segeberg habe vor allem diese Aufgabe. Eine Kreisstadt ohne ein professionell geführtes Museum sei im kulturellen Sinne kein lebenswerter Ort für Menschen, so Wißkirchen. Insbesondere als Standortfaktor für die Wirtschaft und den Tourismus gewinne Kultur zunehmend an Bedeutung.

Wißkirchen betonte, dass Museen zwar nicht als Profitcenter betrachtet werden dürften, man aber stets kostenbewusst wirtschaften müsse. So habe man in Lübeck eine wissenschaftliche und eine kaufmännische Geschäftsführung, die eng zusammenarbeiten. Nach Wißkirchens Erfahrung seien Eintrittsgelder auch wichtig, um private Stifter und Förderer zu überzeugen. Ein gut geführter Museumsshop trage wesentlich zur Optimierung der Einnahmenseite bei: So seien im Falle der Nolde-Ausstellung dadurch bis zu 700.000 Euro zusätzlich erlöst worden. Die Verwendung der Gelder sei stets transparent zu dokumentieren, um die Unterstützer aus Politik und Wirtschaft nicht zu verlieren. – Wen erreichen wir mit unserem Museum, welchen Mehrwert bringt es für die Stadt und den Kreis? – Diese Fragen müssten überzeugend beantwortet werden. Kultur und Wirtschaft müssen einander ergänzen.

Als Museum interessante Exponate anzubieten, das sei das A und O für dessen Erfolg. Diese Frage bewegte auch die Zuhörer im Rathaussaal. Konsul Bernd Jorkisch: „Welche interessanten Exponate hätte ein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg zu bieten? Was gibt es in ausreichender Anzahl?“ Prof. Hintz: „Da ein professionell geführtes Kreis- und Stadtmuseum fehlt und eine ordnungsgemäße Aufbewahrung und Darstellung der Exponate deshalb nicht möglich ist, befinden sich viele interessante Segeberger (!) Objekte weit verstreut in Archiven und Magazinen des Landes Schleswig-Holsteins, Hamburgs und anderer Orte. Diese wären dann zurückzuholen, um sie hier zu zeigen.“ Dagmar Rösner (Leiterin der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein) verwies auf Heinrich Rantzau, den „Superstar der Renaissance“: „Seine umfangreiche Bibliothek mit 6.000 Bänden (heute weitverstreut noch in Restbeständen vorhanden) und sein einflussreiches Wirken zum Wohle der Stadt, des heutigen Kreises Segeberg und des Landes Schleswig-Holstein in Verbindung mit der vermittlungswürdigen Geschichte Segebergs bieten viel Material und Stoff für ein interessantes Museum.“

Wißkirchen empfahl, das künftige Kreis- und Stadtmuseum mit den anderen Sammlungen und Museen des Kreises und der Stadt zu vernetzen. Die Kooperation mit der Kalkberg GmbH biete sich an, um das Potenzial der großen Anzahl von Festspiel-Besuchern auch für einen Museumsbesuch zu interessieren. In der anschließenden einstündigen Gesprächsrunde mit dem Referenten zeigte sich das große Interesse der Besucher*innen an der Thematik. 

Prof. Asmus J. Hintz

Bad Segeberg, 07.11.2019

VORTRAG VON DR. FRANK WILSCHEWSKI AM 24.09.2019

Am 24. September 2019 stellte der Neustädter Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski im Bad Segeberger Rathaus den erfolgreichen Umbau des einstigen „Ostholstein-Museums“ zum „ZeiTTor – Museum der Stadt Neustadt“ vor.

Dr. Wilschewski erläuterte die vielen Neuerungen, die das Neustädter Museum seit der Neuausrichtung unter seiner Leitung zu einer hochattraktiven Bereicherung für 15.000 Neustädter und ihre zahlreichen Feriengäste entwickelt hat.

Neben der Neuausrichtung mit vielen Extra-Angeboten für Besucher legt das ZeiTTor dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die „Museumspädagogik“; mit zwei weiteren hauptamtlichen Museumspädagogen und vielen Mitmachstationen ist das Mitmachmuseum mit rd. 150 Kinder- und Jugendgruppen im Jahr inzwischen als „außerschulischer Lernort“ anerkannt.

Doch als zwingend notwendig für eine Neuaufstellung zum erfolgreichen „ZeiTTor“-Museum riet Wilschewski zur professionellen Entwicklung einer „Marke“: Erst ein klug entwickeltes „Image“ mit einer unverwechselbaren Identität macht das Museum für Besucher attraktiv, wie das ZeiTTor mit seiner gesteigerten Anzahl von jährlich 12.000 Besuchern eingehend belege.

In Bad Segeberg würde sich das benachbarte ehemalige „Höhlenkrug“-Gebäude mit den angrenzenden Bäckerei-Bauten, so Wilschewski, dafür in herausragender Weise eignen.

Die anschaulichen Ausführungen des Neustädter Museumsleiters weckten im Publikum vielfache Neugierde, sodass sich dem Vortrag eine angeregte Fragestunde anschloss. 

Unser Förderverein am SPD-KulturTag (07.09.2019)

Mit Fotos von Jochen Saggau und einem Gastbeitrag von Magnus Wittern / Bad Segeberg

Am Samstag, den 7. September 2019, veranstalteten die Bad Segeberger Sozialdemokraten den SPD-KulturTag auf der Seepromenade.

Es gab ein buntes Musikprogramm: In wechselnder Besetzung spielte Gitarrenlehrerin Kerstin Reuß mit ihren Schülern und Vorsitzender Magnus Wittern präsentierte Klaviermusik. Viel Zuspruch fand das gemeinsame Singen, zu dem sich spontan auch Prof. Asmus J. Hintz und Beatrice Hintz als Vorsänger bereiterklärten. Christel Bornkopp hatte hierzu ein kleines Programm erarbeitet, Detlef Dreessen steuerte Liederbücher für die Teilnehmer bei.

Auch die Kunstausstellung fand viele Interessenten: Die Künstlerinnen Mica Will und Bettina Buff-Fröhlich präsentierten Werke mit aktuellem und politischem Bezug, so etwa zu den Themen „NSA und NSU“ und „Flucht und Migration“. Hinzu kamen Skulpturen von Bad Segebergs Bildhauer und Ehrenbürger Otto Flath.

Aus den angebotenen Podiumsdiskussionen entwickelten sich offene Gespräche, in denen gute Ideen für eine neue Kulturpolitik in Bad Segeberg gefunden wurden. In einem waren sich die Gesprächsteilnehmer aus Kunst, Musik und Kommunalpolitik einig: Kultur braucht Raum – örtlich, aber insbesondere auch finanziell.

Laut wurde die Forderung nach einem Kulturetat, für dessen Finanzierung verschiedene Ideen vorgebracht wurden. Auch forderten die Anwesenden, dass öffentlicher Raum für Kunstausstellungen zugänglich gemacht wird.

Das Projekt „Kreis- und Stadtmuseum“ stieß auf viel Interesse, der hierzu gegründete Förderverein konnte im Rahmen der Veranstaltung sogar neue Mitglieder gewinnen.

Nicht zuletzt bot jedoch der Veranstaltungsort selbst Stoff für Ideen und Vorschläge: Erwin Prochnow wies auf das Potenzial hin, das die Seepromenade insb. für Musikdarbietungen habe. Hier sei es an Stadt und Kommunalpolitik, dafür erforderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ex-Bürgermeister Udo Fröhlich konnte sich eine Belebung mit Kleinkunst vorstellen; er erinnerte auch daran, dass es damals sogar eine Bühne auf dem See gab, die mit Schwimmpotons aufgebaut wurde.

Das Interesse an Kultur in Bad Segeberg ist groß und einige Bad Segeberger sind bereit, dafür auch anzupacken. Weitere Aktionen werden daher nicht lange auf sich warten lassen.

Unser Stadtfest-Stand am 31.08.2019

„Wir sind für Sie da!“

Info-Tag am 24.08.2019

Frei nach unserem Motto : „Das kriegen wir gebacken!“

An einem sonnigen Samstag, dem 24. August 2019 hatte der Förderverein Kreis- & Stadtmuseum Segeberg e. V. alle Interessierten ab 14 Uhr zu einem „Info-Tag“ in die Backstube der ehemaligen Höhlenkrug-Bäckerei eingeladen. Unter dem Motto „Das kriegen wir gebacken“ war ein reichhaltiges Programm in einer der großen Hallen sowie auf dem Hof der ehemaligen Bäckerei organisiert, das den „Info-Tag“ zu einem fröhlichen Sommerfest werden ließ. Mit der freundlichen Genehmigung der Eigentümer Stefan und Angelika Sorgenfrey konnte das künftige Museumsareal somit erneut für eine Veranstaltung des Fördervereins Kreis- & Stadtmuseum genutzt werden, um für die Gründung eines kulturhistorischen Zentrums in der Segeberger Altstadt zu werben. 

Das Programm startete um 14.30 Uhr mit einem Puppentheater (für kleine und große „Kinder“). Aufgeführt wurde das illustre Stück „Der magische Raum“, geschrieben von dem 2. Vereinsvorsitzenden Norbert Schmitt: Darin reisen Kasper und Seppel in eine historische Vergangenheit zurück, um Gutes zu bewirken …  Für den erkrankten Puppenspieler Norbert Schmitt sprang spontan Asmus Hintz ein, der mit der Puppenspielerin Kirsten Schmitt in einem brillanten Zusammenspiel das Publikum zu verzaubern verstand. 

In einem improvisierten „ersten Museums-Café“ – unermüdlich bestritten durch die Vereinsmitglieder Christel Dankert und Karin Hinrichsen – wurde das zahlreiche Publikum auf köstliche Weise mit selbstgebackenen Torten, Kuchen und Kaffee versorgt. Von hieraus genossen die Gäste schon jetzt einen wunderschönen Blick über die Altstadthäuser bis hinüber zur Kirchturmspitze der Marienkirche! Dabei durfte auch die Musik nicht fehlen: Im Außenbereich trat ab 15 Uhr Magnus Wittern (stadtbekannt auch als Vorsitzender des Segeberger SPD-Ortsvereins) am E-Piano mit selbstgeschriebenen und anderen beliebten Liedern auf. Die zahlreichen Café-Besucher zollten begeistert Applaus.

Zum Bilder-Vortrag des 1. Vorsitzenden, Prof. Asmus Hintz, der für 16 Uhr angekündigt war, hatte sich die Backstube bis auf den letzten Platz und sogar noch darüber hinaus gefüllt. Nach den sehr überzeugenden Ausführungen entspannte sich eine rege Diskussion; im Anschluss daran traten viele Besucher spontan dem Verein bei.

Einen weiteren musikalischen Höhepunkt genossen die Besucher nach 17 Uhr mit dem beliebten Segeberger Duo „Sheldon&Cooper“. Vor der beeindruckenden riesigen Fotowand des künftigen „Kreis- und Stadtmuseums Palais Wichmann“ konnten die Zuhörer dabei glatt den Eindruck gewinnen, die Musiker würden mit ihren zahlreichen Instrumenten auf einem Vorplatz des Museums auftreten …

Während der gesamten Zeit standen die Vorstandsmitglieder des Fördervereins für Fragen und Informationen an einem eigenen Vereinsstand zur Verfügung und erläuterten anhand diverser Rollups bereitwillig das Projekt des künftigen „Kreis- & Stadtmuseums“. 

Eine rundum gelungene Veranstaltung mit ca. 100 Besuchern ging gegen 18 Uhr zu Ende. – Weitere Info-Veranstaltungen sind in Planung! 

ERÖFFNUNG DER VERANSTALTUNGSREIHE MIT DEM VORTRAG VON CORINNA ENDLICH AM 30.07.2019 

Am 30. Juli 2019 eröffnete Corinna Endlich, M. A., im Bürgersaal des Bad Segeberger Rathauses die Vortragsreihe des Fördervereins.

Vor einem sehr interessierten Publikum referierte die Leiterin des „kult“ in Vreden (Landkreis Borken) zum Thema „Ein kulturhistorisches Museum als Anziehungspunkt für die Region – von Vreden lernen!“

Mit ihrem reichhaltig illustrierten Vortrag über das „kult“ konnte Corinna Endlich den erheblichen Mehrwert aufzeigen, den dieses vom Landkreis Borken neu geschaffene und von ihr erfolgreich eingeführte kulturhistorische Zentrum für das ganze umliegende Westmünsterland seit der Eröffnung 2017 darstellt.

Deutlich wurde zugleich, wie der Prozess in Vreden – von den ersten Überlegungen über die Planung bis zur Eröffnung des Kulturzentrums mit Museum, Bibliothek, Archiven, Forschungseinrichtungen und Veranstaltungsräumen – als Vorlage auch für ein Segeberger Kreis- und Stadtmuseum dienen kann. 

Zuletzt waren die Ausführungen von Corinna Endlich in ihrer fachlichen Kompetenz derart überzeugend, dass der Förderverein sich glücklich schätzt, sie in der Folge als neues Kuratoriumsmitglied des Fördervereins gewonnen zu haben.